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Was (fast) jeder zur Förderung der Insekten tun kann

Warum überhaupt naturnah?

Viele Zierpflanzen in unseren Gärten bieten Tieren wenig Nahrung. Dies liegt daran, dass Pflanzen hauptsächlich für das menschliche Auge gezüchtet werden, wobei die Zuchtpflanze dann oft keinen oder wenig Pollen und Nektar produzieren du somit auch keine Samen entstehen.

Nektarparadies Wildrose
Nektarparadies Wildrose (ungefüllt)
schön anzusehen aber für Insekten nutzlos schön anzusehen aber für Insekten nutzlos (gefüllt)

Naturnahe Pflanzen sind also Nahrungsquelle und Lebensraum für Insekten und andere Tiere. Sie funktionieren mit den hiesigen Insekten nach dem Schlüssel-Schloss Prinzip: bestimmte Pflanzen sind auf bestimmte Insekten angewiesen und umgekehrt. Auch sind naturnahe Pflanzen in der Regel langlebiger, pflegeleichter und robuster gegenüber extremen Wetterbedingungen wie langer Trockenheit, wie sie durch den Klimawandel immer öfter eintreten.

wertvoll für über 150 Insektenarten
Weißdorn: wertvoll für über 150 Insektenarten
mag nur die Larve des LigusterschwärmersForsythie: mag nur die Larve des Ligusterschwärmers

Beispielsweise ist der heimische Weißdorn für 163 Insekten- und 32 Vogelarten wertvoll die Forsythie dagegen nur für eine Insektenart und für gar keine Vögel.

Nutzen einheimischer Wildsträucher

Manche Pflanzen ziehen durch ihren Duft zwar Insekten an – bieten diesen aber keinen Nektar. Beispielsweise Forsythie oder Geranie –blühen für das menschliche Auge sehr schön, werden aber trockene Blüten genannt – denn sie enthalten keinen Nektar für Insekten.

Kleine Insektenkunde

  • Insekten haben sechs Beine und Flügel (wobei manche nur in bestimmten Stadien oder Kasten Flügel besitzen – bspw. die Königin bei den Ameisen)
  • In Deutschland leben über 30.000 Insektenarten
  • In Deutschland leben 580 Wildbienenarten, von diesen ist nur eine die Honigbiene
  • Unter den Insekten gibt es Allesfresser (Generalisten) wie die Honigbiene und Feinschmecker (Spezialisten) wie die Glockenblumen-Scherenbiene, die unbedingt Glockenblumen zur Aufzucht ihrer Jungen braucht
  • Insekten durchlaufen verschieden Entwicklungsstadien – bspw. Raupe → Schmetterling oder Wildbienenlarve → Wildbiene
  • In diesen Stadien benötigen die Insekten unterschiedliche Pflanzen und Lebensräume
    • Schmetterlinge benötigen spezielle Raupenfutterpflanzen und Nektarpflanzen bspw. Fenchel, Dill, Wilde Möhre benötigen die Raupen des Schwalbenschwanzes und Enzian die Raupen des Enzian-Bläulings
    • Bsp. Larve der Glockenblumen-Scherenbiene benötigt Glockenblumen

Selber Zuhause aktiv werden

Viele unserer Gartenböden sind durch Düngung sehr nährstoffreich. Die naturnahen Pflanzen wachsen auch auf diesem Gartenboden, allerdings bilden sie oft kleinere Blüten und mehr Blätter. Auch wachsen auf dem „guten Mutterboden“ die ungeliebten Beikräuter besser und Unkrautjäten muss deshalb öfter von statten gehen. Somit ist eine Abmagerung des Bodens hilfreich. Bei einem Neubau sollte tatsächlich am besten kein Mutterboden aufgebracht werden. Der natürliche Oberboden, der häufig karg, steinig und armselig ausschaut, ist für die meisten Wildpflanzen ein optimaler Lebensraum. Somit kann auch ein bestehender Schottergarten (ohne Folie) gut in einen naturnahen Garten umgewandelt werden!

Ideen für einen Naturnahen Garten

  • Wildblumenwiese
    Eine Wildblumenwiese besteht zu einem Großteil aus Wildblumen und einem kleinen Teil aus Gräsern, welche häufig als Futterpflanzen für Schmetterlingsraupen dienen. Je nach Standort wird eine nährstoffreiche oder nährstoffarme Blumenwiese ausgesät.
  • Wildblumenbeet (ohne Grasanteil)
    Ein Wildblumenbeet kann mittels Stauden oder Einsaat angelegt werden. Auch eine Mischung aus beidem funktioniert sehr gut. Naturnahe Blumenzwiebeln ergänzen das Beet im Frühjahr. Der Boden sollte vorher abgemagert werden.
  • Blumenschotterrasen
    Niedrig wachsende Wildblumenmischung für die dauerhafte Begrünung von Nutzflächen geeignet. Beispielsweise auf Parkplätzen, Wegen oder Terrassen.
  • Totholzhaufen / Benjeshecken
  • Steinhaufen
  • Trockenmauern (Gabionen sind keine Trockenmauer)
  • Vogelnistkästen
  • Trockene Stängel im Winter stehen lassen
  • Wildbienen-Nisthilfen

Statistik Kosten für das Mähen

Die Pflege ist ein wichtiger Faktor bei der naturnahen Gestaltung, da diese anderes als bisher ausfällt. Beispielsweise muss und darf eine Blumenwiese – um diese zu erhalten – nur ein oder zweimal im Jahr gemäht werden, wobei das Schnittgut nicht auf der Fläche liegen bleiben darf. Die Pflegekosten sind dabei gleich oder sogar geringer als bei einem üblichen Rasen.

Lese-Tipp: Ratgeber-Website „Wilder Meter“ www.wildermeter.de

Wildpflanzen auf dem Balkon sind gärtnerisches Neuland und nicht sehr verbreitet. Einer davon ist der Balkon der Münchner Umweltjournalistin Katharina Heuberger. Seit 2013 experimentiert sie mit ökologisch wertvollen einheimischen Blühpflanzen und Nisthilfen auf ihrem Balkon „Wilder Meter“ im 5. Stock in der Stadtmitte von München. Wildbienen, Solitärwespen, Hummeln, Wanzen, Bienen, Fliegen, Käfer, Schmetterlinge und Vögel finden sich bei ihr ein. Sogar eine Eidechse lebte einen Sommer auf dem Balkon. Rund 100 verschiedene Tierarten konnten als Balkonbesucher bereits bestimmt werden. Auf der Website finden Sie viele praktische Tipps für Einsteiger und Umsteiger zu dem Thema Balkon-Gärtnern mit Wildpflanzen, Interviews mit Experten, Hintergrundwissen und spannende Naturbeobachtungen.